Folge 12 Selbstständig mit Theater #5 Explodierende Kalender und Verträge

Selbstständig mit Theater #8 Fäden, Anträge und Effectuation Theater in Dosen

  1. Selbstständig mit Theater #8 Fäden, Anträge und Effectuation
  2. Selbstständig mit Theater #7 Förderanträge
  3. Kulturmanagement Spezial
  4. Selbstständig mit Theater #6 Orgaskill Level 3000
  5. Selbstständig mit Theater #5 Explodiernde Kalender und Verträge

Transkript:

Hallo und Herzlich willkommen zur einer neuen Folge von Theater in Dosen mein Name ist Charlotte Werner und heute nehme ich euch wieder mit auf meinem Weg in die Selbstständigkeit im Theaterbereich.

Kennt ihr das, wenn der Kalender explodiert? Das ist mir in den letzten Wochen passiert. Deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, regelmäßig im Podcast zu reflektieren. Und ich habe gerade das Gefühl, das wäre zwischendurch aber gut gewesen. Na ja, was soll ich sagen, ich schlaf halt auch ganz gerne. Aber ich will mich nicht beschweren, denn viel zu tun, heißt auch, dass es gut losgeht mit der Selbstständigkeit.

So wo fang ich an? Good News first vielleicht. Mein Antrag auf den Gründerzuschuss der Agentur für Arbeit wurde bewilligt. Das ist super geil! Das heißt, dass ich jetzt sechs Monate lang mein ALG 1 bekomme, plus 300€, um meine Versicherungen zu zahlen. Und das wiederum heißt, dass ich auch sechs Monate habe, um in Ruhe meine eigenen Sachen aufzubauen und zu etablieren. Und Ruhe hatte ich in der letzten Zeit eher nicht. Damit wären wir bei der Falle, nee, Falle ist das falsche Wort. Bei dem Problem? Auch das falsche Wort. Aber irgendwie schon. Mmm. Vielleicht bei dem, wo ich reingeraten bin, wo ich nicht sein wollte. Und zwar bin ich in eine Lebenssituation gestolpert, in der ich in erster Linie reagiere, statt agiere. Und das mag ich nicht. Das ist bei mir immer mit Momenten des Ahnungslos sein, des Schwimmens und vor allem mit innerem Stress verbunden. Außerdem heißt es das ich auf Anforderungen anderer reagiere, statt mein eigenes Ding aufzubauen. Und dann kann ich auch irgendwo fest angestellt sein. Ich will doch mein eigenes Ding aufbauen! Andererseits ist das, glaube ich, gerade auch ganz gut. Weil ich jetzt auf einem Stand bin, bei dem ich weiß: Bis Mai nächstes Jahr, verdiene ich meine Miete. Keine Ahnung wie das mit Essen und so aussieht, aber das kommt noch. Und schon mal zu wissen, dass ich auf jeden Fall den Großteil meiner Fixkosten eigenständig finanzieren kann, ist super. Auf diese Weise kann ich mich beruhigter, mit mehr Nerven, daran setzen meine eigenen Angebote auf den Markt zu bringen. (Außerdem habe ich offiziell die Selbstständigkeit am 15.09. gegründet, das ist nicht mal einen Monat her.)
Jetzt aber der Reihe nach. Sofern ich das noch hinkriege.

In meiner letzten Folge habe ich ja gesagt, dass ich ein paar Tage wegfahre, um Kraft und Energie zu sammeln. Das hat auch ganz gut funktioniert und war megaschön. Mein erster Tag in der Ferienwohnung, war allerdings eher ein Arbeitstag, da
A) Das Arbeitsamt anrief
B) Ich die Kontaktdaten einer Förderschule bekam, denen eine Theaterpädagogin abgesprungen war und ich wirklich gern mit den Kids arbeiten wollte. Deshalb trat ich mit der Schule in Kontakt. Und
C) Ich einen Anruf von einem Theater bekam, bei denen ich mich auf eine Honorarstelle beworben hatte, weil sie mich gerne zum Vorstellungsgespräch einladen wollten.
Also bis auf A) alles super und mich weiterbringend. Daraus folgte zudem ein Teil, der dazu beitrug, dass mein Kalender explodierte.

Direkt nach den Erholungstagen startete ich somit in: Dreharbeiten, Vorstellungsgespräche und darauf folgend 2 Jobstarts, Proben für ein eigenes Projekt in Köln, Verhandlungen mit einem Kollektiv, die mir gerne einen Teil des Schreibens von Förderanträgen übergeben wollten und dabei hatte ich immer im Hinterkopf: Ich muss noch meine eigenen Angebote an den Markt bringen. Alle Projekte, außer meinen eigenen Angeboten, laufen jetzt. Ich jongliere also gerade fünf Projekte und will bzw. muss meine eigenen Sachen noch aufbauen. Oh und außerdem habe ich nächste Woche noch Workshoptage in einer Schule. Also eigentlich sechs Projekte. Und das ist alles total cool und voll geil das es so gut startet! Das macht mich so happy! Und es bringt mich momentan in eine reagierende statt agierende Position. Ich bin mir fast sicher, dass sich das bald legen wird. Denn eigentlich bin ich es gewohnt viel auf einmal jonglieren zu müssen. Ich mein ich hab Vollzeit als leitende Theaterpädagogin gearbeitet und nebenbei Kulturmanagement im Master studiert. So what? Die Frage ist also für mich: Wieso bin ich trotzdem in der reagierenden Position gelandet? Und ich glaube es liegt an folgenden Dingen: Zum einen, habe ich zugelassen das alles wichtiger war als ich und meine Art zu arbeiten. That´s dangerous. Zum anderen habe ich versucht alles gleichzeitig zu machen. Und das geht halt einfach nicht. Ich bin positiv gestimmt, dass es ab übernächste Woche besser wird, was das angeht. Dann sind nämlich Herbstferien in NRW und dadurch fällt fast alles was ich gerade tue zwei Wochen aus. Ich verdiene dann in den zwei Wochen kein Geld. Das ist aber, dank des Gründerzuschuss vom Arbeitsamt, nicht beängstigend. In diesen zwei Wochen habe ich mir vorgenommen mich zu sortieren und zu schauen, wie will ich die Proben und die Dreharbeiten weiter gestalten und wie will ich meine eigenen Angebote platzieren, damit ich nicht in solche Situationen gerate und auch nicht wieder in 18 Tage Wochen lande. Denn eine solche endet heute.

Natürlich war nicht alles rosig in den letzten Wochen, wenn auch überwiegend positiv. Und ich habe zwei Sachen mal wieder gelernt:
1. Bürokratie hält Fallen bereit. So hat mich das Arbeitsamt von der Krankenkasse abgemeldet, bevor mein Gründerzuschuss bewilligt war. Das habe ich nur rausgefunden, weil ich wegen etwas anderem eh mit der Krankenkasse telefonieren musste. Zum Glück konnte ich das mit der Krankenkasse schnell und gut klären. Außerdem ist das ehrlich gesagt nicht das erste Mal, das mir das passiert ist. Also Augen auf, bei allem was mit Papierkram zu tun hat. Und damit wären wir bei
2. Verträge sind das Ergebnis von Verhandlungen zwischen den Vertragsparteien auf Augenhöhe! Auf dieses Thema gehe ich jetzt ungefragt ein bisschen näher ein.

Am Ende meines Bachelorstudiums hatte ich einen Kurs, der den fragwürdigen Titel „Existenzrecht“ hatte. Darin ging es natürlich nicht darum wer das Recht hat zu existieren. Das wäre auch mehr als seltsam und fragwürdig gewesen. Es ging um Fragen der Existenzgründung und des Berufsrechts. Und auch wenn ich zum Thema Verträge natürlich im Master Kulturmanagement Seminare hatte, ist mir aus diesem Kurs im Bachelorstudium eines sehr hängen geblieben. Und das ist: Wie muss ein Vertrag aussehen und was gehört da rein? Ich bin natürlich keine Anwältin oder Juristin, aber mit den Faustregeln aus diesem Unterricht bin ich bisher gut gefahren. Also aufgepasst und mitgeschrieben oder so.

Vorab: Wie schon gesagt Verträge sind Verhandlungen auf Augenhöhe zwischen den Vertragsparteien. Und ja, auch wenn ich dastehe und denke: Boah, ich brauch den Job echt richtig, richtig dringend! Ist es eine Verhandlung auf Augenhöhe. Denn bin ich in den Vertragsverhandlungen gelandet, dann hat sich der*die Arbeitgeber*in ja bereits für mich entschieden. Aus Gründen! Weil ich gut bin. Also behaltet das immer im Hinterkopf. Er*sie hat sich für euch entscheiden, weil ihr gut seid.
Wenn ihr einen Vertrag zugeschickt bekommt, müsst ihr den nicht einfach so unterschreiben. Er ist die Grundlage für Verhandlungen, wenn ihr nicht einverstanden seid, mit dem was im Vertrag steht. Grundlage für Verhandlungen können natürlich auch im Vorfeld stattgefundene Gespräche sein.

Und was muss jetzt alles in den Vertrag rein?

Natürlich die Vertragsart. Also: Geht es um eine Anstellung oder um einen Honorar- bzw. Werkvertrag?

Des Weiteren die 6 Z und die Schlussklausel, oder Schlussbemerkung.

Die 6 Z sind:

  • Zweck, also der Vertragsgegenstand
  • Ziel
  • Zeit, also Zeitrahmen, Stundenaufteilung und Modalitäten bei Absagen
  • Zielgruppe
  • Zaster, also Honorarvereinbarungen, Zahlungsmodalitäten etc. und
  • Zunder, hiermit ist gemeint, was passiert bei Verletzungen der Vertragsvereinbarungen oder Ausbleiben der Zahlung? Es können aber auch Extras sein, die den Vertrag besonders attraktiv machen. Beispiel: Als ich angefangen habe in meinem vorletzten Job zu arbeiten und nebenbei zu studieren, habe ich ausgehandelt, das im Vertrag steht, dass mein Studium bei der Planung meiner Arbeitszeiten berücksichtigt wird. Das hat mir ein paar Mal den Arsch gerettet.

Und last but not least: Immer, wirklich immer und in jedem Vertrag muss stehen: „Weitere, oder diese Vereinbarung ändernde Verabredungen, sind schriftlich zu fixieren, mündliche Nebenabsprachen gibt es nicht.“

Warum ist das wichtig? Klassisches Beispiel aus der Welt der Regisseur*innen: Die Endproben werden kurz vor den Endproben komplett umgeplant und gekürzt. Meist passiert das mündlich. Und ist, dank der Schlussbemerkung im Vertrag nicht gültig. Sofern der*die Regisseur*in daran gedacht hat, die Endprobentermine im Vertrag schriftlich fixieren zu lassen. Also kann der*die Regisseur*in sich hinstellen und sagen: „Steht so nicht im Vertrag. Mach ich nicht.“ Die Schlussbemerkung kann somit schützen und stärken.

Exkurs Verträge Ende.

Ich verschwinde jetzt wieder im Anträge schreiben für andere und in Probenplanungen für mich.

Wenn ihr Fragen habt, über ein Thema mehr wissen oder Feedback geben wollt dann meldet euch gerne bei mir über einen der folgenden Wege:
Per E-Mail an kontakt@theaterindosen.com
Instagram @momowerner oder
Facebook @ theaterindosen

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